FAU Scientia Vorlesungsreihe

Foto: FAU Scientia / Franziska Damm

Herausragende Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen der FAU bieten einen Ein- und Überblick über das breite und vielfältige Forschungs- und Fachspektrum der FAU. Die Veranstaltungsreihe richtet sich explizit an immatrikulierte Gaststudierende sowie regulär Studierende der FAU.

Im Anschluss der Veranstaltung bietet sich im Café die Gelegenheit zum weiteren Austausch in gemütlicher Atmosphäre.

Ort & Zeit

Ort: Hörsaal C (00.040), Kochstraße 4, Erlangen
Zeit: Mittwoch, 14.00 – 16.00 c.t. (während der Vorlesungszeit)

Anmeldung

Anmeldung für immatrikulierte Gaststudierende und Studierende der FAU: scientia@fau.de oder Link zur Lehrveranstaltung auf StudOn.

Programm Wintersemester 2026/2027

Wie kann ein weitgehend emissionsfreies Stromsystem in Deutschland funktionieren – und was kostet es? Der Vortrag zeigt anhand eines Stromsystemmodells für das Jahr 2037, wie Wind- und Solarenergie, Batteriespeicher und steuerbare Kraftwerke zusammenspielen und wie sich unterschiedliche Technologiekombinationen auf Versorgungssicherheit, Systemkosten und Strompreise auswirken. Ein System ausschließlich aus erneuerbaren Energien und Batterien ist technisch möglich, erfordert jedoch sehr hohe Speicher- und Erzeugungskapazitäten. Selten eingesetzte, aber verlässlich verfügbare Kraftwerksleistung kann die Kosten deutlich senken. Besonders diskutiert wird deshalb die Rolle wasserstofffähiger Gaskraftwerke. Sie können Dunkelflauten absichern und perspektivisch mit Wasserstoff betrieben werden. Dabei geht es um grundlegende Mechanismen und Größenordnungen, nicht um eine Punktprognose.

Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) ist eine entwicklungspsychiatrische Störung mit persistierenden Symptomen von der Kindheit bis ins Erwachsenenalter. Der Vortrag gibt einen Überblick über aktuelle Erkenntnisse zur Ätiologie, einschließlich genetischer und neurobiologischer Mechanismen, sowie über altersabhängige klinische Manifestationen. Zudem werden diagnostische Herausforderungen und evidenzbasierte Therapieansätze über die Lebensspanne hinweg diskutiert. Ein besonderer Fokus liegt auf translationalen Perspektiven, die Brücken zwischen Grundlagenforschung und klinischer Praxis schlagen, um individualisierte Behandlungsstrategien zu fördern.

In dieser Phase globaler Vernetzung läuft eine unerwartete Form der Mobilität unter dem Radar: die queere und trans* muslimische Pilger*innenschaft in Mekka, Saudi-Arabien (Hadsch oder „kleinere“ Umrah). In diesem Vortrag werden Vorstellungen und Praktiken queerer und trans* muslimischer Pilger*innenreisen vergleichend zwischen Malaysia und Deutschland diskutiert. Es wird aufgezeigt, wie Machtregime das Pilgern nach Mekka von queeren und trans* Muslim*innen in beiden Regionen ermöglichen, behindern oder kanalisieren. In Malaysia kontrollieren staatliche Institutionen LGBTQIA+ und wertschätzen sie gleichzeitig; das Pilgern ist aber grundsätzlich möglich. In Deutschland pilgern queere und trans* Muslim*innen aus Angst vor Verfolgung explizit nicht zu den Heiligen Orten in Mekka, sondern suchen sich eigene, alternative Wege und Orte. In diesem Vortrag werden daher Sichtbarkeiten und Unsichtbarkeiten des Pilgerns durch queere und trans* Muslim*innen im Spannungsfeld zwischen marginalisierten Subjektpositionen, islamischen Institutionen und politischen Ideologien betrachtet.

Es wird eine Bibliotheksschulung (Online-Katalog, Recherchemöglichkeiten) und Führung durch die Hauptbibliothek (Schuhstrasse 1a, Erlangen) geben. Im Anschluss könnten Sie sich auch einen Bibliotheksausweis (Lichtbild erforderlich) ausstellen lassen.
Da die Plätze begrenzt sind – bitte um kurze Anmeldung (wenn noch nicht erfolgt) unter scientia@fau.de.

Die Medizintechnikproduktion steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Durchgängige Digitalisierung, intelligente Automatisierung und flexible Robotik ermöglichen hochgradig vernetzte, adaptive und qualitätsgesicherte Fertigungsprozesse. Datengetriebene Systeme verkürzen Entwicklungszyklen, steigern die Produktivität und verbessern die Rückverfolgbarkeit. Robotik und KI unterstützen bei komplexen, variantenreichen Aufgaben und erhöhen gleichzeitig die Prozessrobustheit. Dadurch entsteht eine effiziente, resiliente und regulierungskonforme Produktion, die schneller auf Markt- und Patientenbedürfnisse reagiert.

Künstliche Intelligenz (KI) ist eine der prägenden Technologien unserer Zeit. Mit Anwendungen wie ChatGPT ist KI für viele Menschen unmittelbar zugänglich und erfahrbar geworden, bleibt zugleich aber ein oft undurchsichtiges Konzept. Der Vortrag erklärt allgemeinverständlich, wo KI herkommt, wie moderne KI-Systeme grundsätzlich funktionieren und was sie leisten und auch nicht leisten können. Anhand von Beispielen aus Forschung, Lehre und Alltag wird KI eingeordnet und kritisch diskutiert. Ziel ist es, Orientierung zu geben und einen offenen Austausch über Chancen, Risiken und verantwortungsvollen Umgang mit KI anzuregen.

Muslimfeindlichkeit ist eine Alltagserfahrung vieler muslimischer oder als solcher wahrgenommenen Menschen in Deutschland. Der Begriff bezeichnet im Gegensatz zu faktenorientierten Feststellungen und entsprechenden kritischen Bewertungen von Einzelphänomenen die Zuschreibung pauschaler, weitestgehend unveränderbarer, rückständiger und bedrohlicher Eigenschaften. Dadurch wird bewusst oder unbewusst eine ‚Fremdheit‘ oder sogar Feindlichkeit konstruiert, mit vielschichtigen gesellschaftlichen Ausgrenzungs- und Diskriminierungsprozessen, die individuell, im Diskurs oder strukturell verlaufen und bis hin zu Gewaltanwendung reichen können.

Der Vortrag liefert empirische Belege für Muslimfeindlichkeit in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bereichen, behandelt die einzelnen problematischen Phänomene wie z.B. Essentialisierung und Stereotypisierung, Informationsmangel, Fehlzuschreibungen und rechtswidrige Restriktionen und benennt mögliche Lösungsansätze. Er stützt sich auf umfangreiche wissenschaftliche Untersuchungen, z.B. im Auftrag des Bundesministeriums des Innern, an denen der Vortragende federführend beteiligt war.

Der Vortrag zeigt, wie Audiodaten sowohl in ihrer Verarbeitung als auch in ihrer Wahrnehmung im Fokus der Data Science stehen. Nach einer Einführung in die Audiodatenkompression und die Wahrnehmungspsychologie des Hörens wird erläutert, wie psychoakustische Modelle, Hörtests und datengetriebene Verfahren die Entwicklung moderner Audio- und Sprachcodierung geprägt haben und bis heute beeinflussen. Anhand aktueller Beispiele aus unserer Forschung wird aufgezeigt, wie Künstliche Intelligenz die Analyse, Kompression und Generierung von Audiosignalen verbessert. Abschließend werden zukünftige Forschungsfragen vorgestellt, etwa zur Modellierung menschlicher Audiowahrnehmung und zum Einsatz großer Datenmengen für neue Wahrnehmungsmodelle.

Wer betreibt Wissenschaft und zu welchem Zweck? In welchem Verhältnis stehen Wissenschaft und Gesellschaft? Wie verändern sich wissenschaftliche Methoden und Theorien? Die Wissenschaftsgeschichte untersucht solche Fragen in historischer Perspektive. Sie erschließt das jeweils epochenspezifische Zusammenwirken von unterschiedlichen Forschungsinteressen, Formen der Institutionalisierung, Verfahren des Erkenntnisgewinns und Mitteln der Wissensdokumentation und -vermittlung.
Der Vortrag stellt das kleine Fach Wissenschaftsgeschichte und seine Einbindung im Schlüsselqualifikationsangebot der FAU vor. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Orten von Wissenschaft, ihren Trägergruppen und Kontexten in vergangenen Jahrhunderten eröffnet dabei die Gelegenheit zur Reflexion der Besonderheiten des eigenen Fachbereichs sowie zum fachübergreifenden Austausch.

Aktuell wird weltpolitisch eine Rückkehr imperialer Großmachtpolitik diagnostiziert. Bewertet wird diese Entwicklung zurecht fast einhellig negativ: Imperien werden als politisches Ordnungsmodell abgelehnt. Ein zentraler Grund ist, dass Imperien als Inbegriff von Machtkonzentration gelten, imperiale Eliten als besonders machtversessen. Aber wie wirkt genau imperiale Macht? Welche Akteure und Institutionen dominieren in Imperien – oder ist Imperialität ein strukturelles Machtphänomen?
Der Vortrag gibt einen Überblick über konkurrierende Analyseansätze imperialer Macht. Gegen rein akteurs- und rein strukturzentrierte Ansätze plädiere ich für eine Theoretisierung imperialer Politik, die die epistemische Rolle von Ideen und Deutungsmustern priorisiert – und die Idee einer „Rückkehr der Geopolitik“ problematisiert.

3D-Druck, Biofabrikation genannt, bietet ein enormes Potenzial für die Medizin, insbesondere in der Entwicklung von Geweben und Organen. Durch den Einsatz von Biotinten, Zellen und Additiver Herstellung werden maßgeschneiderte, lebende Gewebe und Organstrukturen hergestellt. Dabei stellt die Entwicklung von vaskularisierten Geweben eine zentrale Herausforderung dar. Verschiedene Verfahren ermöglichen die Herstellung von Gewebemodellen mit komplexen Strukturen, die als Ersatz für beschädigte Organe oder für die präklinische Forschung dienen können. Dieser Vortrag beleuchtet verschiedene Forschungsansätze, die sowohl regenerative Medizin als auch die Entwicklung von 3D-gedruckten Gewebemodellen für die Medikamentenentwicklung umfassen.